Tatuaj cu un model simplu, cu linii curate, în formă de inimă, ca reper pentru dimensiune și grosimea liniilor

Tätowierung mit Volksmotiven: Matyó-, Kalocsa- und Székely-Muster

Matyó, Kalocsa und Székely stehen für drei unterschiedliche Motivwelten. Dieser Artikel stellt Herkunft und Bedeutung vor und zeigt, wie aus Stick- oder Schnitzmustern Tattoos werden.

Busójárás in Mohács: Masken, Tradition und Festival-Tattoos Du liest Tätowierung mit Volksmotiven: Matyó-, Kalocsa- und Székely-Muster 9 Minuten Weiter Wadentattoo: Motive und Größen für den Unterschenkel

Matyó-, Kalocsa- und Székely-Muster stehen für drei unterschiedliche ungarische beziehungsweise siebenbürgische Volkstraditionen und nicht für einen einzigen allgemeinen „Volksstil“. Deshalb lohnt es sich, vor dem Entwurf eines Tattoos zu wissen, aus welcher Motivwelt du auswählst und was das jeweilige Muster ursprünglich bedeutete. Die Matyó-Stickerei ist mit der Gemeinschaft rund um Mezőkövesd verbunden, die Kalocsa-Stickerei mit der Region um Kalocsa und der Székely-Motivschatz stammt aus der Holzschnitztradition des Székelyföld in Siebenbürgen. Dieser Artikel stellt alle drei Motivfamilien der Reihe nach vor, zeigt, was wiederkehrende Elemente – die Rose, die Herzrose, die Tulpe, die Sonne und der Stern – bedeuten, und erklärt auch ganz praktisch, wie sich aus einem dichten Stick- oder Schnitzmuster ein klares Linientattoo entwerfen lässt, das sich für die Haut eignet.

  • Die Matyó-Stickerei ist mit der Gemeinschaft von Mezőkövesd (Borsod-Abaúj-Zemplén) verbunden und steht seit 2012 auf der repräsentativen UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes.
  • Die Kalocsa-Stickerei stammt aus der Region um Kalocsa (Bács-Kiskun) und steht seit 2009 im nationalen Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes in Ungarn.
  • Die Székely-Muster stammen aus der Tradition der Tor-Schnitzkunst im Székelyföld (Siebenbürgen, Rumänien) und stehen für eine andere Motivwelt als die Matyó- oder Kalocsa-Stickerei.

Was gilt als Tattoo mit Volksmotiven?

Der Ausdruck „Volksmotiv“ wird im Zusammenhang mit Tattoos oft mit anderen Themen vermischt, die ebenfalls einen Bezug zu Ungarn haben, obwohl es sich dabei nicht um dasselbe handelt. Matyó-, Kalocsa- und Székely-Muster sind Zierelemente aus der Textil- und Schnitztradition: Blumen, Vögel und geometrische Formen, die über Generationen hinweg auf Alltagsgegenstände, Kleidung und Tore gestickt oder geschnitzt wurden. Der Turul hingegen ist ein Symbol aus einer nationalen Ursprungslegende – darüber kannst du im Artikel über ungarische Nationalsymbole lesen –, die Runenschrift ist ein eigenständiges Schriftsystem, das im Artikel über Tattoos mit Runenschrift vorgestellt wird, und das Lebensbaummotiv hat eine eigene Bedeutungsgeschichte, die im Artikel über Lebensbaum-Tattoos ausführlich behandelt wird. Dieser Artikel konzentriert sich ausdrücklich auf die Motive und ihre Bedeutung in den drei Stick- und Schnitztraditionen Matyó, Kalocsa und Székely.

Geografisch gehört die Matyó-Stickerei zur Tradition von Mezőkövesd und Umgebung im Komitat Borsod, die Kalocsa-Stickerei stammt aus der Region um Kalocsa im Komitat Bács-Kiskun, und der Székely-Motivschatz ist mit dem Székelyföld in Siebenbürgen verbunden, der historischen Heimat einer ungarischsprachigen Gemeinschaft und heute Teil Rumäniens. Dieser geografische Unterschied ist wichtig, weil die drei Traditionen jeweils eine andere visuelle Sprache verwenden. Wenn du ein Tattoo in Auftrag gibst, solltest du deshalb genau benennen, um welche Motivfamilie es geht, und nicht nur sagen: „Volksmuster“.

Matyó-Muster: die Rose, die Herzrose und der Vogel

Der Motivschatz dieser Sticktradition baut typischerweise auf Blumenformen auf. Am häufigsten genannt werden dabei die Matyó-Rose und die Herzrose, bei der die Form der Rose in den Umriss eines Herzens gesetzt wird. Wiederkehrende Elemente sind außerdem die cserfarózsa, Vogelfiguren, die als macskafark bekannte Spirallinie sowie Blatt und Knospe der Tulpe (Quelle: Matyó-Stickerei – Wikipedia).

Formen der Matyó-Rose und der Herzrose

Als Tattoo funktioniert die Herzrose auch in kleiner Größe gut, weil ihre Form von Anfang an auf einem geschlossenen, symmetrischen Umriss beruht. Sie lässt sich deshalb relativ leicht zu einer klaren, durchgehenden Linienzeichnung vereinfachen, ohne dass das Motiv unkenntlich wird. Bevor du ein solches Muster in Auftrag gibst, lohnt es sich anzusehen, wie ein ähnlich großes Motiv mit geschlossener Linienführung auf der Haut wirkt. Ein fertiges, illustratives Design hilft dir, dir die Proportionen und die Linienstärke vorzustellen, auch wenn das betreffende Motiv kein Matyó-Motiv ist.

Herzförmiges Tattoo mit klarem Linienmotiv als Referenz für Größe und Linienstärke
Dieses illustrative Motiv in Herzform ist kein Matyó-Design. Es zeigt lediglich, mit welcher Linienstärke ein ähnlich großes Tattoo mit geschlossener Form gut wirkt.

Was du über die traditionelle Bedeutung der Farben wissen solltest, bevor du über ein Tattoo nachdenkst

In dieser Sticktradition hatten auch die Farben konkrete Bedeutungen: Schwarz stand für Erde und Leben, Rot für Freude, Gelb für Sommer und Sonne und Blau für Trauer. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde auch Grün zum Ausdruck von Trauer (Quelle: Matyó-Stickerei – Wikipedia). Dieses Bedeutungssystem ist mit dem Stickgarn und der Textiltradition verbunden. Die gedruckten oder Tusche imitierenden Farben eines Tattoos tragen diese Symbolik für sich genommen nicht weiter – wenn du auch den Farben eine Bedeutung geben möchtest, solltest du das gesondert mit der Person besprechen, die das Motiv entwirft. Die Matyó-Volkskunst, also die Stickkultur der Gemeinschaft von Mezőkövesd, steht übrigens seit 2012 auf der repräsentativen UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes. Das zeigt, wie lange diese Tradition zurückreicht (Quelle: Tourismus-Website von Mezőkövesd).

Kalocsa-Muster: die blumige Motivwelt

Die Kalocsa-Stickerei begann ursprünglich als weiße Stickerei, die sogenannte Weißstickerei. Erst nachdem eine 1912 gegründete Garnfabrik farbechtes Garn allgemein verfügbar gemacht hatte, entwickelte sie sich zu der farbenfrohen Technik, die wir heute kennen (Quelle: Kalocsa-Stickerei – Wikipedia).

Zu den charakteristischen Kalocsa-Motiven zählen Tulpe, Rose, Nelke, Veilchen, Vergissmeinnicht, Weintraube und die bekannte rote Kalocsa-Paprika. Größere Blumen werden oft in zwei Farbtönen gestickt, einem helleren und einem dunkleren – eines der am leichtesten erkennbaren technischen Merkmale (Quelle: Kalocsa-Stickerei – Wikipedia). Die Kalocsa-Stickerei steht seit 2009 im nationalen Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes in Ungarn. Es handelt sich also um eine offiziell anerkannte Tradition, mit der auch beim Entwurf eines Tattoos respektvoll umgegangen werden sollte.

Székely-Muster: Motive der Tor-Schnitzkunst

Der Székely-Motivschatz stammt nicht aus der Stickerei, sondern aus der Holzschnitzkunst am Székely-Tor. Auf traditionellen Székely-Toren finden sich Tulpen, Rosen sowie Sonnen-, Mond- und Sternformen. Das Sonnenmotiv wird traditionell als Symbol für Segen und Fruchtbarkeit gedeutet (Quelle: Székely-Tor – Wikipedia).

Wegen der Stern- und Sonnenformen kann ein kleines, klares Sternmotiv mit feinen Linien ein guter Ausgangspunkt sein, wenn du zunächst nur sehen möchtest, wie eine ähnlich große geometrische Form auf der Haut wirkt.

Kleines Sternmotiv mit feinen Linien als Größenreferenz zu den Sonnen- und Sternmotiven auf Székely-Toren
Dieses Sternmotiv mit feinen Linien ist kein Székely-Design. Es veranschaulicht lediglich Größe und Linienstärke für ein ähnliches Motiv.

Das Székely-Tor markiert außerdem symbolisch eine Grenze zwischen dem Haus und der Außenwelt (Quelle: Székely-Tor – Wikipedia). Du solltest auch wissen, dass das Székelyföld in Siebenbürgen liegt, das heute zu Rumänien gehört. Geografisch handelt es sich also um eine andere Region als bei der Matyó- oder Kalocsa-Tradition. Neben Székely-Ornamenten taucht häufig auch die Runenschrift auf. Sie ist jedoch ein eigenes Schriftsystem mit eigenen Regeln – wenn dich das interessiert, kannst du im Artikel über Tattoos mit Runenschrift mehr darüber lesen.

Wie aus einem Stick- oder Schnitzmuster ein Tattoo wird

Ein traditionelles Stick- oder Schnitzmuster enthält in der Regel mehrere Farben und dichte, ineinander übergehende Formen. Eine Tattoo-Version wird dagegen meist auf weniger Farben und klarere, geschlossene Linien reduziert. An die Stelle von Blütenblättern und Spirallinien treten klare, durchgehende Konturen, die auch in kleiner Größe auf der Haut gut erkennbar bleiben.

Die Größe spielt dabei eine entscheidende Rolle: Auf einer kleineren Fläche bleibt nur der charakteristischste Teil des Motivs erkennbar, zum Beispiel eine einzelne Herzrose oder eine Tulpenknospe. Für eine umfassendere Komposition, die mehrere Elemente des ursprünglichen Musters bewahrt, ist dagegen mehr Platz nötig. Da Größe und Platzierung gemeinsam darüber entscheiden, wie viel sich von einer Motivfamilie realistisch erhalten lässt, lohnt es sich, beide Aspekte zugleich zu bedenken, wie auch der Ratgeber zu Tattoo-Größen ausführlich erklärt.

Stellen wir uns ein Beispiel vor: Wenn sich jemand ein vollständiges Matyó-Stickmuster auf dem Oberarm wünscht, wird eine erfahrene Designerin oder ein erfahrener Designer wahrscheinlich nicht versuchen, jede kleine Blume und jedes Blatt zu übernehmen, sondern die zwei oder drei stärksten Elemente der Komposition auswählen – etwa eine Herzrose und eine Vogelfigur – und sie so anordnen, dass das Motiv auf der Haut ausgewogen und gut erkennbar bleibt. Bei der Umgestaltung jedes Stick- oder Schnitzmusters funktioniert diese Art der Auswahl ähnlich, ganz gleich, ob es sich um eine Matyó-, Kalocsa- oder Székely-Motivfamilie handelt.

Ein individuelles Design respektvoll in Auftrag geben

Da der fertige Katalog keine Designs mit expliziten Matyó-, Kalocsa- oder Székely-Motiven enthält, solltest du ein wirklich volkskunst-inspiriertes Motiv als individuelle Anfertigung in Auftrag geben. Es kann helfen, dir vorher ein kleineres, illustratives oder filigranes Motiv aus dem Angebot anzusehen. Dieses zeigt nicht das Volksmotiv selbst, sondern veranschaulicht, wie ein ähnlich großes Motiv mit vergleichbarer Linienstärke auf der Haut wirkt, bevor du mit deinem eigenen Design loslegst.

Bei einer individuellen Anfrage macht es einen großen Unterschied, ob du die Tradition und das Motiv genau benennst: Beschreibe zum Beispiel „Matyó-Herzrose“ oder „Székely-Sonnen- und Sternmotiv“ und nicht nur „Volksmuster“. So bleibt das Ergebnis leichter erkennbar und die Designerin oder der Designer kann die visuelle Sprache der jeweiligen Tradition respektieren. Mehr über den Ablauf erfährst du im Ratgeber zu individuellen, personalisierten Tattoos.

Wenn du neben den drei vorgestellten Traditionen auch an allgemeineren Blumenmotiven interessiert bist, findest du im Artikel über Blumen-Tattoos weitere Inspirationen, die nicht auf die Matyó-, Kalocsa- oder Székely-Motivwelt beschränkt sind.

Alle drei Motivfamilien – Matyó, Kalocsa und Székely – tragen eine jahrzehntelange, in vielen Fällen sogar jahrhundertealte Gemeinschaftstradition in sich. Deshalb ist es beim Entwurf eines Tattoos am besten, genau zu wissen, aus welcher Tradition du auswählst und was das jeweilige Element ursprünglich bedeutete. Danach bleiben nur noch Größe, Platzierung und Linienstärke zu klären. Bei einem individuellen Entwurf kannst du diese Fragen gemeinsam mit der Designerin oder dem Designer konkret entscheiden.